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Guerilla Gardening 2. Teil
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28. Mai 2016 | Bürgermeister Becker am Tatort Guerilla Gardening wird geduldet Da fand am Samstagmorgen ein Lokaltermin mit hoher Besetzung statt. Bürgermeister H.- P. Becker kam – umweltfreundlich per Fahrrad – höchstpersönlich zum Tatort und zur Täterin. Frau S. – die Täterin - sorgte dafür, dass Herr Becker nach einer halben Stunde klüger weiterfuhr, als er gekommen war. Der Reihe nach: Ortstermin, 28. Mai, 11.00 Uhr, Mühlpfädchen Ecke Mühlstraße, am Wohnhaus Frau S. Diese begrüßt den Bürgermeister freundlich. Herr Becker stellt gleich mal klar: Die Wege werden freigelegt. Bis dahin ist die Verwaltung so gnädig, die Steinersche Ansaat zu dulden. Dann aber… Auf Nachfrage, wann das Gartenamt gedenke, das wuchernde Gras zu beseitigen, spricht der Bürgermeister vage vom Herbst. Es gibt Geplänkel hin und her, zwischenzeitlich haben sich rund ein Dutzend Menschen eingefunden: Nachbarn, Grüne, Kommunisten, BUND (also die üblichen Verdächtigen) und streuen ihre Kommentare in den Dialog S. ./. Becker: Die Blumen seien allemal besser als das wuchernde Gras, was Radfahrern und Kinderwagenschieberinnen hinderlich ist, Hundescheiße allerorts, ein Stück weiter, am Parkplatz nahe des Volkshauses ebenfalls Hundeklo und wucherndes Gras, warum die Stadt eigentlich eine unbescholtene Bürgerin verfolgt, die den Anblick des Mühlpfädchens verschönert usw. Der Bürgermeister fragt, ob die Stadt jetzt hinter jeden Hundehalter einen Polizisten stellen solle. Er beschwichtigt, Frau S. werde nicht verfolgt und nicht bestraft, aber Ordnung muss sein. „Sie können sich ja nicht vorstellen, was alles auf öffentlichem Grün passiert: vom Anpflanzen von Salat und Gemüse bis zum Abladen von Unrat und eigenmächtiger Verbreiterung der hauseigenen Einfahrt“, so erläutert H.-P. Becker das ganze Elend bürgerlicher Eigeninitiative. Auf den Vorhalt, es würde wohl mit zweierlei Maß gemessen, hier soll Frau S. gemaßregelt werden, anderenorts wird das Bepflanzen von Baumplatten geduldet, klärt das Stadtoberhaupt auf: Solcherlei Taten werden nicht nur geduldet, nein, sie werden auf Antrag auch mit 30 Euro pro Jahr gefördert. Da in diesem Augenblick Becker wohl gemerkt hat, dass diese Aussage nicht so recht zu Amtsschimmels Vorgehen gegenüber Frau S. passt, wechselt er das Thema. Auf die Nachfrage, ob das Vergehen Frau S. darin bestehe, dass sie Anpflanzungen ohne Beantragung und unter Verzicht auf die 30 Euro vorgenommen habe, antwortet H.-P. Becker, ein klein wenig verstimmt, das sei nun doch etwas drastisch formuliert… BUND in Person von Herbert Debus, erklärt sich solidarisch mit Frau S. und mahnt den Bürgermeister, er möge zur Vernunft kommen. Dieser kommt zu eben dieser und zählt auf: 1. Die Bepflanzung wird geduldet; 2. Sie möge doch mit den Nachbarn sprechen, um weitere Graswucherungen zu verhindern; 3. Im Herbst wird das Gartenamt für Ordnung sorgen. So gestärkt, belehrt Frau S. nun unserem Bürgermeister: Bienen können nur leben, wenn keine Monokultur (Raps, Mais, u.ä.) herrscht. Bienen sorgen für 70 Prozent der Befruchtung der Flora. Also muss etwas für die pflanzliche Artenvielfalt getan werden. Da sei ihre bescheidene Initiative zwar nur ein kleiner Beitrag, aber immerhin. Wenn ihrem Beispiel viele folgen würden… Und er, der Bürgermeister möge dies mit ins Rathaus nehmen und dafür Sorge tragen, dass es in der Stadt pflanzlich bunter und vielfältiger werden möge. H.-P. Becker verabschiedet sich höflich bis freundlich, ist durch Frau S. Erläuterung reicher an Kenntnis über Bienen und Flora und radelt davon. Nun erscheint aus dem Hintergrund Franz-Rudolf Urhahn. Er hält also, so wie immer, das Koreferat. Die Stadtverwaltung sei halt so, wie sie ist. Sein reichhaltiger Erfahrungsschatz führe ihn dazu, bla bla bla. Zu spät und vergebens, guter F.-R. Urhahn. Die Versammlung löst sich auf und hinterlässt eine nachdenkliche Frau S. Was hat sie eigentlich falsch gemacht?
Landschaftspflege nach Art der Stadtverwaltung
Der Tatort am Mühlpfädchen
Täterin und Ordnungsmacht
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Guerilla Gardening 2. Teil
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28. Mai 2016 | Bürgermeister Becker am Tatort Guerilla Gardening wird geduldet Da fand am Samstagmorgen ein Lokaltermin mit hoher Besetzung statt. Bürgermeister H.-P. Becker kam – umweltfreundlich per Fahrrad – höchstpersönlich zum Tatort und zur Täterin. Frau S. – die Täterin - sorgte dafür, dass Herr Becker nach einer halben Stunde klüger weiterfuhr, als er gekommen war. Der Reihe nach: Ortstermin, 28. Mai, 11.00 Uhr, Mühlpfädchen Ecke Mühlstraße, am Wohnhaus Frau S. Diese begrüßt den Bürgermeister freundlich. Herr Becker stellt gleich mal klar: Die Wege werden freigelegt. Bis dahin ist die Verwaltung so gnädig, die Steinersche Ansaat zu dulden. Dann aber… Auf Nachfrage, wann das Gartenamt gedenke, das wuchernde Gras zu beseitigen, spricht der Bürgermeister vage vom Herbst. Es gibt Geplänkel hin und her, zwischenzeitlich haben sich rund ein Dutzend Menschen eingefunden: Nachbarn, Grüne, Kommunisten, BUND (also die üblichen Verdächtigen) und streuen ihre Kommentare in den Dialog S. ./. Becker: Die Blumen seien allemal besser als das wuchernde Gras, was Radfahrern und Kinderwagenschieberinnen hinderlich ist, Hundescheiße allerorts, ein Stück weiter, am Parkplatz nahe des Volkshauses ebenfalls Hundeklo und wucherndes Gras, warum die Stadt eigentlich eine unbescholtene Bürgerin verfolgt, die den Anblick des Mühlpfädchens verschönert usw. Der Bürgermeister fragt, ob die Stadt jetzt hinter jeden Hundehalter einen Polizisten stellen solle. Er beschwichtigt, Frau S. werde nicht verfolgt und nicht bestraft, aber Ordnung muss sein. „Sie können sich ja nicht vorstellen, was alles auf öffentlichem Grün passiert: vom Anpflanzen von Salat und Gemüse bis zum Abladen von Unrat und eigenmächtiger Verbreiterung der hauseigenen Einfahrt“, so erläutert H.-P. Becker das ganze Elend bürgerlicher Eigeninitiative. Auf den Vorhalt, es würde wohl mit zweierlei Maß gemessen, hier soll Frau S. gemaßregelt werden, anderenorts wird das Bepflanzen von Baumplatten geduldet, klärt das Stadtoberhaupt auf: Solcherlei Taten werden nicht nur geduldet, nein, sie werden auf Antrag auch mit 30 Euro pro Jahr gefördert. Da in diesem Augenblick Becker wohl gemerkt hat, dass diese Aussage nicht so recht zu Amtsschimmels Vorgehen gegenüber Frau S. passt, wechselt er das Thema. Auf die Nachfrage, ob das Vergehen Frau S. darin bestehe, dass sie Anpflanzungen ohne Beantragung und unter Verzicht auf die 30 Euro vorgenommen habe, antwortet H.-P. Becker, ein klein wenig verstimmt, das sei nun doch etwas drastisch formuliert… BUND in Person von Herbert Debus, erklärt sich solidarisch mit Frau S. und mahnt den Bürgermeister, er möge zur Vernunft kommen. Dieser kommt zu eben dieser und zählt auf: 1. Die Bepflanzung wird geduldet; 2. Sie möge doch mit den Nachbarn sprechen, um weitere Graswucherungen zu verhindern; 3. Im Herbst wird das Gartenamt für Ordnung sorgen. So gestärkt, belehrt Frau S. nun unserem Bürgermeister: Bienen können nur leben, wenn keine Monokultur (Raps, Mais, u.ä.) herrscht. Bienen sorgen für 70 Prozent der Befruchtung der Flora. Also muss etwas für die pflanzliche Artenvielfalt getan werden. Da sei ihre bescheidene Initiative zwar nur ein kleiner Beitrag, aber immerhin. Wenn ihrem Beispiel viele folgen würden… Und er, der Bürgermeister möge dies mit ins Rathaus nehmen und dafür Sorge tragen, dass es in der Stadt pflanzlich bunter und vielfältiger werden möge. H.-P. Becker verabschiedet sich höflich bis freundlich, ist durch Frau S. Erläuterung reicher an Kenntnis über Bienen und Flora und radelt davon. Nun erscheint aus dem Hintergrund Franz- Rudolf Urhahn. Er hält also, so wie immer, das Koreferat. Die Stadtverwaltung sei halt so, wie sie ist. Sein reichhaltiger Erfahrungsschatz führe ihn dazu, bla bla bla. Zu spät und vergebens, guter F.-R. Urhahn. Die Versammlung löst sich auf und hinterlässt eine nachdenkliche Frau S. Was hat sie eigentlich falsch gemacht?